Drei Tage Mysore...
... mit Höhen und Tiefen
Als erstes stand aber erstmal die Premiere im Sleeper Bus an. Vom Sleeper Abteil im Zug habe ich ja schon berichtet, das ganze gibt es auch als Busvariante – nur lange nicht so komfortabel. Ja richtig, der Bus fährt auf indischen Straßen und die sind nicht mehr als eine Ansammlung von Schlaglöchern. Hat zwischendrin zu andauerndem Gekicher geführt, da Mareike in unserem „Doppelbett“ fröhlich durch die Gegend geschüttelt wurden. Haben es aber beide ohne größere blaue Flecken überstanden.
Am frühen Samstagmorgen sind wir dann in Mysore angekommen. Mein Orientierungssinn hat nur ein paar Sekunden gebraucht und schon ging es geradewegs in die Umesh Lodge. Nach längerer Diskussion ohne Verständigungserfolg (Kannada prallt auf Englisch) konnten wir dann doch unsere Zimmer beziehen. Und schon lag ich im gleichen Bett wie letzten Dezember auch. Schon ein ulkiges Gefühl.
Nachdem alle irgendwo ein Bettchen gefunden hatten, ging es auf zum Frühstück.
Danach haben die Jungs beschlossen zum Tempel auf den Berg zu fahren, Mareike und ich habe aber die Gelegenheit der frühren Stunden (8 Uhr oder so) genutzt und den Markt mit vergleichsweise wenigen Leuten erkundet. Ich konnte mich noch dunkel an Grabbeleien erinnern und dem wollten wir so weit wie möglich aus dem Weg gehen. Hat da auch noch ganz gut geklappt, später nicht mehr so.
Da die Jungs wider Erwarten etwas länger gebraucht haben, sind Mareike und ich einmal ganz gemütlich um den Palast rummarschiert. Um die Zeit abzusitzen haben wir uns ein schattiges Plätzchen gesucht und es hat nicht lange gedauert, da haben sich einige der glotzenden Inder ein Herz genommen und um ein Foto gebettelt. Einer musste das auch mit Schlägen von einem Polizisten bezahlen – das ist zumindest unsere Vermutung. Auf jeden Fall haben wir es geschafft interessanter zu sein als der Palast. Dabei waren wir noch nichtmal die einzigen Weißen, die da rumgesprungen sind.
Die Herren haben echt gewusst, wie es sich gut leben lässt. War leider aufgrund des Festivals ziemlich voll und warm. Aber immer noch beeindruckend. Lustig zu beobachten war auch wie die Polizei für was auch immer geprobt hat – die haben sich bewegt, als ob sie keine Gelenke hätten.
Inzwischen war lunch-Zeit schon längst rum, aber unsere Mägen haben um die Wette geknurrt. Also war der Plan auf zum Essen. Der Plan wurde aber von den gnadenlosen Regenwolken durchkreuzt, die innerhalb weniger Minuten ganz Mysore unter Wasser gesetzt hatten. Und damit meine ich so richtig, mit ein paar Zentimeter Wasser auf der Straße. War ich froh, dass ich Sandalen anhatte und keine Turnschuhe. Als ich aus dem Taxi vorm Restaurant ausgestiegen bin stand ich bis über den Knöchel im Wasser (meine Sandalen haben ca. 5 cm Absatz)! Video des ganzen Spaßes gibt es dann, wenn ich wieder da bin!
Vollgemampft war erstmal Mittagsschläfchen angesagt, schlafen ist im sleeper bus nicht so erholsam. Der Rest des Tages bestand dann nur noch aus Essen und erleuchteten Palast aus der Entfernung angucken.
Sonntag morgen haben wir uns auf den Weg nach Somnathpur gemacht. An dem Tag – bitte fragt mich nicht warum – wurde alles, was fahren kann, vom Fahrrad bis zum Bus – mit halben Bananenstauden, Blumengirlanden und sonstigem Glitzerkram geschmückt. Nach einigem Hin und Her, ob der Bus jetzt fährt oder nicht, sind wir irgendwann am Tempel angekommen. Einfach Knüller, wie viel Arbeit und Zeit die in die Tempel investiert haben und wie kleinfieselig ein Figürchen nach dem anderen in den Stein gehauen wurde. Leider war es schon wieder gnadenlos heiss, was auch das barfuß laufen auf den dunklen Steinen zur Tortur gemacht hat.
Aus lauter Verzweiflung, weil der Bus so lange gebraucht hat, sind wir einfach losgelaufen, nachdem die erste Gruppe sich zu einer weiteren Trekkingtour aufgemacht hatte. Brian verschwand irgendwann in den Reisfeldern und nach einer Weile kam der erlösende Bus. Voll bis zum Anschlag, aber völlig egal in dem Moment. Zurück in Mysore haben wir uns ein extrem verspätetes Frühstück gegönnt und nach Dusche und Bettruhe sind Mareike und ich Bangles shoppen gegangen. Und wir hatten wieder viel zu spezielle Wünsche für die armen Herren. Am Ende waren wir dann aber doch erfolgreich!
Irgendwann sind die anderen dann auch wieder aufgetaucht, da hatten wir unser ausgiebiges Abendmahl auf der Dachterasse aber schon beendet.
Montag war der große Tag der buntesten und größten Dusshera-Parade.
Die Jungs waren wieder in Abenteuer-Stimmung, Mareike und ich sind lieber Shoppen gegangen. War eine sehr gute Entscheidung. Mehr als Busfahrt und Diskussionen mit Rickshaw-Fahrern ist bei den Jungs nicht rausgekommen, wir waren aber erfolgreich shoppen.
Mit doppeltem Charme haben wir den Hotelmenschen überreden können, dass wir unsere Sachen erst nach der Parade abholen brauchen. Nur mit dem nötigsten bewaffnet haben wir uns dann ins Getümmel gestürzt und bewiesen, dass wir gelernt haben geduldig zu warten. Irgendwann saßen wir mitten in einer indischen Familie, die uns mit Essen versorgt hat. Als die Parade endlich kam, fing es natürlich an zu schütten. Fotografieren war also erstmal schwierig. War aber eigentlich eine ganz nette Abwechslung zu der sengenden Sonne.
Irgendwann waren wir so zusammengequetscht, dass meine Beine nicht mehr unter meiner Kontrolle waren. Ab und an schwappte die Menschenmasse nach vorne über und wurde sanft von der Polizei mit den Rohrstöcken zur Vernunft gebracht.
Parade war interessant, leider hat jemand gefehlt, der uns die tiefere Bedeutung der einzelnen Gruppen hätte erklären können. Aber eigentlich war es ziemlich so wie ein Faschingsumzug. Nur mit toll angemalten Elefanten. J
Nach der Parade brachen die Massen los und ich hatte große Mühe meine Schuhe einzusammeln. Auf dem Weg zurück ins Hotel haben einige der Herren die Gunst der Stunde genutzt und sich an uns „vergriffen“!
Im Hotel trudelten dann nach und nach alle wieder ein und ich habe mit Schrecken im Spiegel festgestellt, dass mein Gesicht feuerrot war. War den Rest des Tages damit beschäftigt mein nasses T-Shirt vor mein Gesicht zu halten. Ansonsten haben wir die meiste Zeit mit Essen und durch die Indermassen schieben verbracht.
Bis zum traurigen Höhepunkt des Tages: Vor dem traumhaft schön erleuchteten Palast brauchten Mareike und ich unsere Body-Guards, damit wir nicht dauerhaft begrabscht wurden. Die Jungs konnten aber trotzdem nicht verhindern, dass wir irgendwann in einer Gruppe Inder feststeckten. Ich habe keine Ahnung, wie die Jungs uns da rausgeboxt haben. War auf jeden Fall alles andere als toll.
Nach dem letzten Dinner in Mysore ging es dann im sleeper bus zurück nach Manipal. Dieses Mal war ich auch so müde, dass ich die meiste Zeit geschlafen habe.
Zurück in Manipal waren die Vorzüge unseres kleinen Paradieses dann doch sehr offensichtlich. J
Thursday, October 19, 2006
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